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Brustschwimmen oder Kraulen lernen?

Welcher ist der richtige Schwimmstil für Anfänger?
Deutschland ist Brustschwimmerland! Die meisten Anfänger lernen die Schwimmart Brust für die Seepferdchen-Prüfung. Warum eigentlich? NIVEA klärt auf.

So lernen Kinder in Deutschland schwimmen

Es erinnert ein wenig an die Bewegung von Fröschen im Wasser – das Brustschwimmen. Und obwohl die Technik gar nicht so leicht zu erlernen ist, kommt kaum ein Kind um diesen Schwimmstil herum, wenn es schwimmen lernt.

Schwimmanfänger halten den Kopf oft noch über Wasser

Wer Brustschwimmen lernt, streckt anfangs häufig noch den Kopf über die Wasseroberfläche. So behalten Schwimmanfänger die Übersicht. Schon bald lernen sie die richtige Technik, bei der der Kopf nur zum Atmen angehoben wird.


Brustschwimmen: Die beliebteste Technik der Deutschen

Schon Höhlenmalereien zeigen Menschen in der Bauchlage beim Schwimmen. Und noch heute lernen die meisten Kinder Brustschwimmen als erste Schwimmtechnik – zumindest in Deutschland. Während hierzulande in den Seepferdchen-Kursen fast überall das Schwimmen in Bauchlage vermittelt wird, setzen Schwimmlehrer im englischsprachigen Ausland verstärkt auf das Kraulschwimmen – eine Technik, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Australien entwickelt wurde.

Dass sich in Deutschland das Brustschwimmen durchgesetzt hat, ist historisch bedingt: Schwimmen wurde früher in erster Linie beim Militär gelehrt. Damit die Soldaten weiterhin die Befehle verstanden, mussten die Ohren über Wasser bleiben. Als später auch Kinder im Schwimmen unterrichtet wurden, stand der Lehrer oft am Beckenrand und erklärte die Technik. Auch in diesen Fällen war es von Vorteil, wenn die Kinder mit dem Kopf über Wasser blieben, damit sie die Ansagen des Kursleiters hören und befolgen konnten.

Etwa 80 Prozent aller Gelegenheitsschwimmer in Deutschland ziehen ihre Bahnen in Bauchlage mit gleichzeitigem Arm- und Beinschlag durchs Wasser. Noch heute bevorzugen Deutschlands Ausbilder das Brustschwimmen als Schwimmart für Anfänger. DLRG-Schwimmlehrer trainieren zudem weiterhin vom Beckenrand aus. Allerdings lernen die Kinder bereits bei der Wassergewöhnung, den Kopf unter Wasser zu halten. So nehmen sie beim Brustschwimmen eine rückenschonende, gestreckte Körperhaltung ein und gleiten für das Ausatmen mit dem Gesicht durch das Wasser.



Welcher Schwimmstil ist für Anfänger am besten geeignet?

Kraulen oder Brustschwimmen lernen – was fällt schwerer? Beide Schwimmstile haben ihre Vor- und Nachteile. Erstaunlich ist sicher für viele: Das Brustschwimmen entspricht eigentlich überhaupt nicht unseren natürlichen Bewegungsabläufen.

Brustschwimmen fördert die Kondition

Weil wir Brustschwimmen von Anfang an lernen, empfinden wir die Technik häufig als besonders simpel. Warum das so ist, weiß Sabine Lillmanntöns zu berichten. Sie ist stellvertretende Leiterin für Ausbildung bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG): „Beim Brustschwimmen fallen das Atmen und die Orientierung leichter, ausdauerndes Schwimmen ist recht schnell möglich und der Bewegungsablauf ist konditionell weniger belastend. Außerdem kann der Ausbilder leichter Kontakt aufnehmen, um zu korrigieren.“

Allerdings fordert die Schwimmart den jungen Schwimmanfängern auch eine Menge ab: „Gegen das Brustschwimmen spricht der ziemlich unnatürliche Bewegungsablauf, also der Gleichschlag von Arm- und Beinbewegung, der durchschnittlich zu einem späteren Lernerfolg führt. Auf Dauer ist diese Schwimmart zudem körperlich belastender, vor allem für die Halswirbelsäule und die Kniegelenke“, so Lillmannstöns.

Schwimmhilfe für Anfänger

Damit sich Kinder beim Schwimmenlernen ganz auf die richtige Technik konzentrieren können, setzt die DLRG u. a. Schwimmnudeln ein. Unter Arme und Brust geklemmt, verschafft die Schwimmhilfe Auftrieb, ohne die Bewegungsfreiheit sonderlich einzuschränken.

Volle Kraft voraus: Beim Kraulen sind Schwimmer besonders schnell

Kraulen zu lernen, stellt hohe Anforderungen an die Koordination – bei kleinen Schwimmern genauso wie bei großen. Der Vorteil: Wer es lernt, schwimmt schneller und rückenschonender als andere.

Kraulen: Rückenschonend, aber anspruchsvoll

Kraulen zu lernen, wirkt auf den ersten Blick wesentlich komplizierter. Vor allem ängstliche Kinder haben Probleme damit, den Kopf beim Schwimmen unter Wasser zu halten, da eine Orientierung zunächst kaum möglich erscheint. „Beim Brustkraulen ist es am Anfang für den Schwimmanfänger schwierig, Armbewegung und Atmung zu koordinieren“, berichtet die DLRG-Expertin außerdem.

Wer das Kraulen lernen möchte, sollte daher zunächst mit dem Rückenkraulen beginnen, da sich hier die Erfolge in der Regel am schnellsten einstellen. 


Vor- und Nachteile des Brustschwimmens

Vorteile:

  • Kinder lernen zügig, ausdauernd zu schwimmen.
  • Gute Orientierungsmöglichkeit, Blick in Schwimmrichtung
  • Kinder sind ständig ansprechbar, da die Ohren nicht unter Wasser sind.
  • Während der Gleitphase sind Entspannungsphasen möglich.
  • Die Beine sorgen für den Antrieb. Die Muskulatur ist meist schon in jungen Jahren bereits gut ausgebildet.

Nachteile:

  • Brustschwimmen ist die langsamste Schwimmtechnik.
  • Ungewohnte, synchrone Arm- und Beinbewegung.
  • Komplizierter Bewegungsablauf der Beine
  • Starke Beanspruchung der Hals- und Rückenmuskulatur.
  • Höhere Belastung von Kniegelenken und Halswirbelsäule.

Vor- und Nachteile des Kraulens

Vorteile:

  • Die Bewegungsform ist ähnlich wie beim Laufen. Arm- und Beinbewegung sind alternierend, also entgegengesetzt – nicht synchron.
  • Die gestreckte Körperlage ist besonders rücken- und gelenkschonend.
  • Kraulen ist die schnellste Schwimmart.


Nachteile:

  • Eingeschränkte Orientierung für Anfänger und Sicht in Schwimmrichtung.
  • Rufe werden zum Teil nicht gehört, da der Kopf im Wasser liegt.
  • Die Koordination der Atmung mit der Armbewegung ist schwer erlernbar. Relativ hoher konditioneller Aufwand, vor allem für die Armbewegung. Kraftausdauer wird benötigt.

Sicher schwimmen mit verschiedenen Techniken

Ab einem Alter von 4 bis 5 Jahren können Kinder in Deutschland das Frühschwimmerabzeichen Seepferdchen absolvieren, welches auf das sichere Schwimmen vorbereitet. Doch ab wann wird es Zeit für neue Schwimmtechniken?

Brustschwimmen, Kraulen – und dann?

In Deutschland bleibt das Brustschwimmen die Schwimmtechnik Nummer eins für Schwimmanfänger, auch bei der DLRG. Häufig wünschen sich dies auch die Eltern. Sabine Lillmanntöns empfiehlt jedoch, möglichst zügig auch weitere Schwimmstile zu erlernen.

Mehrere Schwimmstile zu beherrschen, bedeutet auch ein großes Plus für die Sicherheit. So ist das Kraulschwimmen deutlich kraftschonender als Brustschwimmen. Die Ausdauer-Schwimmart kann von Vorteil sein, wenn Kinder z. B. unerwartet vom Ufer abgetrieben werden und zurück an Land schwimmen möchten.

Eine Empfehlung, ab wann eine zweite oder dritte Schwimmtechnik erlernt werden sollte, lässt sich jedoch nicht so pauschal geben: „Das ist nicht unbedingt auf ein genaues Alter festzulegen. Bereits während des Erlernens der ersten Schwimmart können Elemente weiterer Schwimmarten eingeführt und geübt werden. So können Kinder in kurzer Abfolge zum Beispiel Brustschwimmen, Brust- und Rückenkraul lernen“, weiß Lillmannstöns zu berichten. „Am schnellsten stellen sich Erfolge beim Rückenkraul ein. Im Gegensatz dazu fordert das Delfinschwimmen die Kondition und Koordination stark heraus. Deshalb ist es auch nicht als Anfangsschwimmart geeignet.“

Besonders effizient lernen Kinder die verschiedenen Schwimmstile, wenn Sie dem Schwimmen nach dem Seepferdchen-Abzeichen treu bleiben und weitere Schwimmkurse besuchen. Die ersten Erfolge motivieren Kinder häufig ganz von selbst, weitere Schwimmabzeichen wie Bronze, Silber oder Gold abzulegen.

Unbeschwerter Badespaß: So gewinnen Kinder Sicherheit

Natürlich sollen Schwimmen und Baden Spaß machen, doch noch wichtiger ist die Sicherheit. Wer zwischen unterschiedlichen Schwimmstilen wählen kann, kann in Gefahrensituationen besser reagieren und seine Schwimmart darauf ausrichten.

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