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Brustschwimmen oder Kraulen?

Brustschwimmen oder Kraulen lernen?

Welcher ist der richtige Schwimmstil für Anfänger?

Deutschland ist Brustschwimmerland! Die meisten Anfänger lernen die Schwimmart Brust für die Seepferdchen-Prüfung. Doch was unterscheidet das Brustschwimmen und Kraulen eigentlich voneinander?

Welcher Schwimmstil ist für Anfänger am besten geeignet?

Kraulen oder Brustschwimmen lernen – was fällt schwerer? Beide Schwimmstile haben ihre Vor- und Nachteile. Erstaunlich ist sicher für viele: Brustschwimmen entspricht eigentlich überhaupt nicht unseren natürlichen Bewegungsabläufen.

Brustschwimmen fördert die Kondition

Weil wir Brustschwimmen von Anfang an lernen, empfinden wir die Technik häufig als besonders simpel. Warum das so ist, weiß Sabine Lillmanntöns. Sie ist stellvertretende Leiterin für Ausbildung bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG): „Beim Brustschwimmen fallen das Atmen und die Orientierung leichter, ausdauerndes Schwimmen ist recht schnell möglich und der Bewegungsablauf ist konditionell weniger belastend. Außerdem kann der Ausbilder leichter Kontakt aufnehmen, um zu korrigieren.“

Allerdings fordert die Schwimmart den jungen Schwimmanfängern auch eine Menge ab: „Gegen das Brustschwimmen spricht der ziemlich unnatürliche Bewegungsablauf, also der Gleichschlag von Arm- und Beinbewegung, der durchschnittlich zu einem späteren Lernerfolg führt. Auf Dauer ist diese Schwimmart zudem körperlich belastender, vor allem für die Halswirbelsäule und die Kniegelenke“, so Lillmannstöns.

Beim Brustschwimmen fällt die Orientierung leichter

Brustschwimmen schenkt Orientierung

Wer Brustschwimmen lernt, streckt anfangs häufig noch den Kopf über die Wasseroberfläche. So behalten Schwimmanfänger die Übersicht. Schon bald lernen sie die richtige Technik, bei der der Kopf nur zum Atmen angehoben wird.

Vorteile des Brustschwimmens

  • Kinder lernen zügig, ausdauernd zu schwimmen
  • Die Schwimmtechnik erlaubt eine gute Orientierung, der Blick richtet sich in Schwimmrichtung
  • Kinder sind ständig ansprechbar, da die Ohren über Wasser sind
  • Während der Gleitphase sind Entspannungsphasen möglich
  • Die Beine sorgen für den Antrieb. Die Muskulatur ist meist schon in jungen Jahren gut ausgebildet

Nachteile des Brustschwimmens

  • Brustschwimmen ist die langsamste Schwimmtechnik
  • Ungewohnte, synchrone Arm- und Beinbewegung
  • Komplizierter Bewegungsablauf der Beine
  • Starke Beanspruchung der Hals- und Rückenmuskulatur
  • Höhere Belastung von Kniegelenken und Halswirbelsäule

Kraulen: Rückenschonend, aber anspruchsvoll

Kraulen zu lernen, wirkt auf den ersten Blick wesentlich komplizierter. Es stellt hohe Anforderungen an die Koordination – bei kleinen Schwimmern genauso wie bei großen. Der Vorteil: Wer es lernt, schwimmt schneller und rückenschonender als andere.

Vor allem ängstliche Kinder haben allerdings Probleme damit, den Kopf beim Schwimmen unter Wasser zu halten, da eine Orientierung zunächst kaum möglich erscheint. „Beim Brustkraulen ist es am Anfang für den Schwimmanfänger schwierig, Armbewegung und Atmung zu koordinieren“, berichtet die DLRG-Expertin außerdem.
Wer das Kraulen lernen möchte, sollte daher zunächst mit dem Rückenkraulen beginnen, da sich hier die Erfolge in der Regel am schnellsten einstellen.

Sportlich und schnell: Beim Kraulen sind Schwimmer besonders effizient

kraultechnik

Die Kraul-Technik zeichnet sich durch wechselseitigen Armzug und schnelle Beinschläge aus. Dabei ist das Gesicht unter Wasser, zum Luftholen wird der Kopf seitlich gedreht. Das Ergebnis: Krauler schwimmen schneller und durch die horizontale Körperhaltung auch rückenschonender.

Vorteile des Kraulens

  • Die Bewegungsform ist ähnlich wie beim Laufen. Arm- und Beinbewegung sind alternierend, also entgegengesetzt – nicht synchron
  • Die gestreckte Körperlage ist besonders rücken- und gelenkschonend
  • Kraulen ist die schnellste Schwimmart

Nachteile des Kraulens

  • Erschwerte Orientierung für Anfänger und eingeschränkte Sicht in Schwimmrichtung
  • Die Anweisungen des Schwimmlehrers werden zum Teil nicht gehört, da die Ohren zeitweise unter Wasser sind
  • Die Koordination der Atmung mit der Armbewegung ist schwer erlernbar.
  • Relativ hoher konditioneller Aufwand, vor allem für die Armbewegung
  • Kraftausdauer wird benötigt

Warum lernen Kinder in Deutschland meist zuerst Brustschwimmen?

Es erinnert ein wenig an die Bewegung von Fröschen im Wasser – das Brustschwimmen. Und obwohl die Technik gar nicht so leicht zu erlernen ist, kommt kaum ein Kind um diesen Schwimmstil herum, wenn es schwimmen lernt.

Brustschwimmen: Die beliebteste Technik der Deutschen

Etwa 80 Prozent aller Gelegenheitsschwimmer in Deutschland ziehen ihre Bahnen in Bauchlage mit gleichzeitigem Arm- und Beinschlag durchs Wasser – und das hat Geschichte. Schon Höhlenmalereien zeigen Menschen in der Bauchlage beim Schwimmen. Und noch heute lernen Kinder häufig Brustschwimmen als erste Schwimmtechnik, zumindest in Deutschland.

Während hierzulande in den Seepferdchen-Kursen fast überall das Schwimmen in Bauchlage vermittelt wird, setzen Schwimmlehrer im englischsprachigen Ausland verstärkt auf das Kraulschwimmen – eine Technik, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Australien entwickelt wurde.

Schon für Anfänger wichtig: Kopf unter Wasser halten

Kopf unter Wasser: Schon für Anfänger wichtig

Auch wenn Kinder in Deutschland häufig in Bauchlage schwimmen lernen, wird ihnen schon früh beigebracht, den Kopf unter Wasser zu tauchen. Das soll den Kleinen die Angst vor dem Wasser nehmen.

Die Geschichte des Brustschwimmens in Deutschland

Schwimmen wurde früher in erster Linie beim Militär gelehrt. Damit die Soldaten weiterhin die Befehle verstanden, mussten die Ohren über Wasser bleiben. Als später auch Kinder im Schwimmen unterrichtet wurden, stand der Schwimmtrainer oft am Beckenrand und erklärte die Technik. Auch in diesen Fällen war es von Vorteil, wenn die Kinder mit dem Kopf über Wasser blieben, damit sie die Ansagen des Kursleiters hören und befolgen konnten.

Noch heute bevorzugen Deutschlands Ausbilder das Brustschwimmen als Schwimmart für Anfänger. DLRG-Schwimmlehrer trainieren zudem weiterhin vom Beckenrand aus. Allerdings lernen die Kinder bereits bei der Wassergewöhnung, den Kopf unter Wasser zu halten. So nehmen sie beim Brustschwimmen eine rückenschonende, gestreckte Körperhaltung ein und gleiten für das Ausatmen mit dem Gesicht durch das Wasser.

Sicher schwimmen mit verschiedenen Techniken

Ab einem Alter von 4 bis 5 Jahren können Kinder in Deutschland das Frühschwimmer-Abzeichen Seepferdchen absolvieren, welches auf das sichere Schwimmen vorbereitet. Doch ab wann wird es Zeit, weitere Schwimmstile zu erlernen?

Warum sollte mein Kind weitere Schwimmstile können?

In Deutschland bleibt das Brustschwimmen die Schwimmtechnik Nummer eins für Schwimmanfänger, auch bei der DLRG. Häufig wünschen sich dies auch die Eltern. Sabine Lillmanntöns empfiehlt jedoch, möglichst zügig auch weitere Schwimmstile zu erlernen.

Mehrere Schwimmstile zu beherrschen, bedeutet auch ein großes Plus für die Sicherheit. So ist das Kraulschwimmen deutlich kraftschonender als Brustschwimmen. Die Ausdauer-Schwimmart kann von Vorteil sein, wenn Kinder z. B. unerwartet vom Ufer abgetrieben werden und zurück an Land schwimmen möchten.

Unbeschwerter Badespaß: So gewinnen Kinder Sicherheit

Unbeschwerter Badespaß

Natürlich sollen Schwimmen und Baden Spaß machen, doch noch wichtiger ist die Sicherheit. Wer in der Lage ist, zwischen unterschiedlichen Schwimmstilen zu wechseln, kann in Gefahrensituationen besser reagieren und seine Schwimmart darauf ausrichten.

Was ist das richtige Alter für neue Techniken?

Eine Empfehlung, ab wann Kinder eine zweite oder dritte Schwimmtechnik erlernen sollten, lässt sich nicht so pauschal geben:

„Das ist nicht unbedingt auf ein genaues Alter festzulegen. Bereits während des Erlernens der ersten Schwimmart können Elemente weiterer Schwimmarten eingeführt und geübt werden. So können Kinder in kurzer Abfolge zum Beispiel Brustschwimmen, Brust- und Rückenkraul lernen“, weiß Lillmannstöns zu berichten. „Am schnellsten stellen sich Erfolge beim Rückenschwimmen bzw. Rückenkraulen ein. Im Gegensatz dazu fordert das Delfinschwimmen die Kondition und Koordination stark heraus.“

Besonders effizient lernen Kinder die verschiedenen Schwimmstile, wenn Sie dem Schwimmen nach dem Seepferdchen-Abzeichen treu bleiben und weiteres Schwimmtraining in Kursen absolvieren. Die ersten Erfolge motivieren Kinder häufig ganz von selbst, weitere Schwimmabzeichen wie Bronze, Silber oder Gold abzulegen.

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